Aufbau eines First-Responder-Systems nach Wiener Vorbild zur Verbesserung der Notfallversorgung in Erfurt 1516/25

In Wien wurde ein leistungsfähiges First-Responder-System etabliert, das nachweislich die Überlebensraten bei medizinischen Notfällen deutlich verbessert hat. Dieses System integriert neben den klassischen Rettungsdiensten auch die Polizei und weitere Organisationen wie Notfallteams in Schulen oder Großeinrichtungen fest in die Rettungskette. Bei bestimmten Alarmierungsstichworten – insbesondere „Bewusstlosigkeit“ und „Kreislaufstillstand/Reanimation“ – werden neben dem regulären Rettungsdienst gleichzeitig geschulte Ersthelfer, Polizei und Feuerwehr alarmiert. Diese schnelle und koordinierte Alarmierung verkürzt die Zeit bis zur Einleitung lebensrettender Maßnahmen erheblich, was bei Herz-Kreislauf-Stillständen entscheidend ist. Ein exemplarisches Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Wiener Polizei und dem Verein PULS. Im Rahmen dieses Projekts wurden Polizeidienststellen und -fahrzeuge mit Defibrillatoren ausgestattet sowie Polizeibeamte umfassend in Wiederbelebungsmaßnahmen geschult. Diese Maßnahmen trugen maßgeblich zur signifikanten Steigerung der Überlebensraten bei plötzlichem Herztod bei (https://www.puls.at/projekte-first-responder/). Während in deutschen Großstädten die durchschnittliche Überlebensrate je nach Region bei 11% liegt, konnte Wien durch Einführung des First-Responder-Systems diese signifikant auf 60% anheben. Die Einführung eines vergleichbaren First-Responder-Systems in Erfurt – mit klar definierten Alarmierungsstichworten wie „Bewusstlosigkeit“ oder „Reanimation“ – würde die Effizienz der Rettungskette deutlich erhöhen und die Chancen auf eine erfolgreiche Wiederbelebung von Notfallpatienten erheblich verbessern.

Durch die Integration von Polizisten, Feuerwehrleuten und speziell ausgebildeten Notfallmanagern öffentlicher Institutionen entsteht eine schnellere und flächendeckendere Hilfeleistung, die das Leben vieler Erfurterinnen und Erfurter retten kann. Das Wiener Vorbild zeigt eindrucksvoll, dass eine strukturierte Einbindung dieser Akteure erhebliche Verbesserungen in der Notfallversorgung erzielt. Für Erfurt würde ein derart erweitertes System die bestehende Rettungskette sinnvoll ergänzen und die Resilienz der Stadt bei medizinischen Notfällen deutlich erhöhen. Als kreisfreie Stadt ist Erfurt gemäß § 5 ThürRettG Träger des bodengebundenen Rettungsdienstes und somit unmittelbar verantwortlich für die Organisation und Weiterentwicklung der rettungsdienstlichen Versorgung vor Ort. Die Stadt trägt damit unstrittig Verantwortung für Maßnahmen zur Verbesserung der notfallmedizinischen Erstversorgung vor Ort. Das geplante System ist eine unterstützende Maßnahme, die nicht in Konkurrenz zum bestehenden Rettungsdienst tritt, sondern dessen Effektivität erhöht und die rettungsdienstliche Versorgung der Bevölkerung verbessert.

 

Beschlussvorschlag

  1. Die Stadt Erfurt soll ein erweitertes First-Responder-System nach dem erfolgreichen Wiener Modell aufbauen, bei dem neben dem Rettungsdienst auch Organisationen wie die Polizei, Feuerwehren sowie Notfallmanager von öffentlichen Institutionen (z.B. Verkehrsbetriebe, Stadtwerke, usw.) in die Rettungskette integriert werden. Weiterhin sollen Blaulichtfahrzeuge wie Polizeiwagen mit einem Defibrillator nach Wiener Vorbild ausgestattet werden.
  2. Die Umsetzung soll innerhalb von zwölf Monaten nach Beschlussfassung erfolgen.
  3. Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die voraussichtlichen Initiationskosten und laufende Kosten pro Jahr für die Implementierung und den Betrieb des First-Responder-Systems (u.a. Fortbildungskosten, laufende Unterhaltskosten Defibrillator) zu ermitteln und dem Stadtrat vorzulegen.
  4. Die Stadtverwaltung soll dem Stadtrat innerhalb von sechs Monaten nach Beschlussfassung einen Bericht über den Stand der Umsetzung und die ermittelten Kosten vorlegen.

Stellungnahme der Verwaltung

Aktivitäten zur Verbesserung des Outcomes nach präklinischem Herz-Kreislaufstillstand werden grundsätzlich begrüßt. In Erfurt und den zugehörigen Ortsteilen werden bereits seit Jahren Kräfte der Feuerwehren als First Responder sowie zur Unterstützung des Rettungsdienstes bei Reanimationen eingesetzt. Die Einbindung weiterer externer Kräfte ist dabei aufgrund fehlender Schnittstellen nicht ohne Weiteres möglich.

Selbst wenn die entsprechenden Schnittstellen künftig angesprochen werden könnten, wären durch den Stadtrat einzig die Stadtwerke Erfurt zur Mitwirkung zu verpflichten. Zur Ausweitung auf die Landespolizei – welche grundsätzlich als geeignet erscheint – ist zwingend das zuständige Ministerium für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung (TMIKL) zu beteiligen. Wegen der Zuständigkeit des TMIKL für das Rettungswesen und die Landespolizei sollte hier ein Appell auf dem Dienstweg, d.h. über den Gemeinde- und Städtebund im Zusammenwirken mit dem Thüringer Landkreistag, initiiert werden. Die Einbindung der Bundespolizei könnte vermutlich nur als dezentraler Bestandteil erfolgen.

Zeitnah ist eine Umsetzung aufgrund der zuvor notwendigen Einordnung in die Haushaltsplanung der Stadtverwaltung Erfurt nicht möglich. Auch die Abschätzung der Kosten ist im Detail nicht möglich. Hierzu bedarf es eines entsprechenden Leistungsverzeichnisses und nachfolgenden Angebotsverfahrens.

Die Projektarbeit sowie die Aus- und Fortbildung der perspektivisch eingesetzten Kräfte ist dabei mit dem aktuellen Personalkörper des Amtes 37 nicht sicherzustellen. Hier bedarf es zusätzlichen Personals oder einer externen Vergabe der Ausbildungsleistung.

Um ein thüringenweit einheitliches Handeln zu gewährleisten, sind die zuständigen Ministerien zu beteiligen und diesen die Projektsteuerung zu übertragen.

02.24

Änderung des/der Beschlusspunkte aus Sicht der Stadtverwaltung: Der Aufbau eines erweiterten First-Responder-Systems ist unter den o.g. Voraussetzungen nicht zielführend und mit erheblichem finanziellen und personellen Aufwand verbunden. Zielführender wäre ein Ausbau der Verfügbarkeit von öffentlichen AED zur Förderung der Laienhilfe. Hier wäre die Integration der AED an städtischen Objekten denkbar.

 

Abstimmung im Stadtrat

Der Stadtrat lehnte unseren Antrag ab (Sitzung am 05.11.2025, TOP 6.12).

JaNeinEnthaltungBefangen
83030

Vorherige Beratungen:

  • 25.08.2025, Ausschuss für öffentliche Ordnung, Sicherheit, Ortsteile und Ehrenamt: vertagt
  • 29.09.2025, Ausschuss für öffentliche Ordnung, Sicherheit, Ortsteile und Ehrenamt: abgelehnt (Ja 2, Nein 8, Enthaltung 0)

Quelle: Bürgerinfo der Stadt Erfurt, Drucksache 1516/25 (Beschluss und Abstimmungsergebnis laut Niederschrift; die Stimmen werden nur als Gesamtzahlen, nicht nach Fraktionen, veröffentlicht).

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