1845/24 Stromausfälle im Erfurter Stadtgebiet

Drucksache 1845/24; Anfrage nach § 9 Abs. 2 GeschO; Stromausfälle im Erfurter Stadtgebiet; öffentlich

Sehr geehrte Frau Rottstedt, sehr geehrter Herr Mandler,

Ihre Anfrage beantworte ich unter Einbeziehung der SWE Netz GmbH (SWE N GmbH) wie folgt:

1. Wie viele Stromausfälle wurden in diesem Jahr gezählt, wo fanden sie statt (Stadtteil), wie lange dauerten diese jeweils an und was waren die Gründe für den jeweiligen Stromausfall?

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung der im Mittelspannungsnetz der SWE N GmbH registrierten Störungen mit Zuordnung der hauptsächlich betroffenen Stadtteile, des Datums, der Ausfalldauer und der ermittelte Störungsgrund. Im Falle der Angaben „ohne Ausfall“ handelt es sich um Störungen im vorgelagerten Verteilnetz oder Übertragungsnetz und sind meist mit kurzzeitigen Spannungseinbrüchen verbunden.

Nr.StadtteilDatumAusfallgrundGrund
1Erfurt08.01.2024ohne AusfallStörung vorgelagertes Netz
2Altstadt, Löbervorstadt23.02.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
3Andreasvorstadt27.02.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
4Löbervorstadt07.03.2024< 3 minKabelbeschädigung Dritter
5Andreasvorstadt, Ilversgehofen07.03.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
6Andreasvorstadt, Ilversgehofen17.03.20241,68 hMaterialschaden / Alterung
7Löbervorstadt18.03.2024< 3 minKabelbeschädigung Dritter
8Erfurt19.03.2024ohne AusfallStörung vorgelagertes Netz
9Löbervorstadt20.03.20240,73 hMaterialschaden / Alterung
10Brühlervorstadt02.04.2024< 3 minGewitter / Sturm
11Brühlervorstadt13.04.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
12Egstedt30.04.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
13Löbervorstadt06.05.20240,39 hKabelbeschädigung Dritter
14Egstedt22.05.20240,32 hMaterialschaden / Alterung
15Alach, Töttelstedt24.05.20241,23 hGewitter / Sturm
16Krämpfervorstadt29.05.20240,30 hMaterialschaden / Alterung
17Brühlervorstadt29.05.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
18Rieth30.05.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
19Altstadt29.06.20241,57 hMaterialschaden / Alterung
20Rieth20.07.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
21Egstedt24.08.20241,07 hGewitter / Sturm
22Rieth31.08.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
23Kerspleben05.09.20240,62 hMaterialschaden / Alterung
24Schmira, Brühlervorstadt05.09.20241,12 hKabelbeschädigung Dritter
25Rieth15.09.20240,72 hMaterialschaden / Alterung
26Erfurt17.09.2024ohne AusfallStörung vorgelagertes Netz
27Löbervorstadt19.09.20245,75 hMaterialschaden / Alterung
28Altstadt23.09.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
29Hohenwinden25.09.2024< 3 minMaterialschaden / Alterung
30Löbervorstadt25.09.20241,43 hMaterialschaden / Alterung
31Altstadt26.09.20240,5 hKabelbeschädigung Dritter
32Löbervorstadt27.09.20241,63 hMaterialschaden / Alterung
33Löbervorstadt01.10.2024ohne AusfallKabelbeschädigung Dritter

Die Ausfalldauer ist in der Regel sehr kurz bis kurz. Dies liegt daran, dass in den Umspannwerken moderne Schutztechnik verbaut worden ist, welche Störungen automatisch erkennt und das Fachpersonal in die Lage versetzt, sehr schnell Versorgungsalternativen zu „schalten“. Möglich wird dies dadurch, weil jeder Mittelspannungsring redundant von zwei Umspannwerken versorgt wird. Nach diesen Schaltvorgängen sind in der Regel alle Kunden wieder versorgt und die tatsächliche Störungsbehebung (Tiefbau, Montage) kann beginnen.

Die Störung am 19.09.2024 mit einer Ausfalldauer von knapp 6 Stunden war ein ungewöhnlicher Ausnahmenfall. Grund waren zwei Fehler auf ein und demselben Mittelspannungsring. Die dazwischenliegenden Stationen können dann nicht mehr versorgt werden. Die SWE N GmbH hat auf diese Situation mit Einsatz eines Notstromaggregates und Umschaltungen im Niederspannungsnetz reagiert. Viele Kunden blieben trotz dieser Maßnahmen spannungsfrei. Derartige Störungen sind äußerst selten.

2. Inwieweit haben sich die Stromausfälle im jährlichen Vergleich seit 2014 vermehrt oder verringert?

Bitte um tabellarische Aufstellung.

Die Gesamtanzahl der Mittelspannungsstörungen im Netz der SWE N GmbH haben sich in den vergangenen 10 Jahren wie folgt entwickelt:

JahrStörungen
201426
201548
201634
201739
201825
201953
202036
202134
202228
202331
2024 (lfd.)32

Im Durchschnitt der letzten 10 Jahre sind jährlich 36 Störungen aufgetreten. Deutlich wird, dass sich die Anzahl der Störungen auf niedrigem Niveau bewegen und über die Jahre relativ konstant ist. Ein Ausnahmejahr war 2019, in welchem 53 Störungen aufgetreten sind. Besondere Gründe dafür gab es nicht.

In den letzten Wochen kam es im Erfurter Mittelspannungsnetz zu einer ungewöhnlichen Häufung an Störungen, im Gegensatz zur störungsarmen ersten Jahreshälfte. Mit Stand Ende 3. Quartal 2024 liegt das Störungsaufkommen noch unterhalb der zwei dargestellten Durchschnitte.

3. Wie gedenkt die Stadtverwaltung das Problem der offensichtlich zunehmenden Stromausfälle schnellstmöglich zu lösen?

Wie bereits dargestellt, kann man statistisch gesehen nicht von zunehmenden Stromausfällen sprechen. Zum aktuellen Zeitpunkt wird von einer punktuellen Häufung von Störungen ausgegangen. Störungen respektive Versorgungsunterbrechungen lassen sich nicht verhindern. Sie treten in Ort, Zeit und Umfang unvorhersehbar auf. Die SWE N GmbH betreibt eine dauerhaft (24/7) besetzte Leitwarte, von welcher aus das gesamte Mittelspannungsnetz überwacht und geführt wird. Hierfür hält 24 Stunden Bereitschaftsmitarbeiter für jedes Fachgebiet vor und hat rund um die Uhr Dienstleister zur Störungsbearbeitung (Tiefbau, Montage) vertraglich gebunden. Dadurch wird eine nahezu unverzögerte Störungsbearbeitung sichergestellt. Der größte Zeitfaktor bei der Wiederversorgung ist letztendlich die Fahrzeit. Um auch diese zu reduzieren, investiert die SWE N GmbH regelmäßig in den Ausbau der Fernwirktechnik und die Automatisierung des Mittelspannungsnetzes.

Außerdem hat die SWE N GmbH im Jahr 2020 ein umfangreiches Sanierungsprogramm begonnen, mit dem Ziel, die aus DDR-Zeiten stammende Infrastruktur vorrangig im Erfurter Süden mit ca. 65 km Kabeltrasse zu modernisieren. Dafür ist bisher ein Budget von 1 Mio. EUR bereitgestellt. Parallel dazu verzeichnet die SWE N GmbH einen deutlichen Anstieg bei anderen Bauvorhaben (Photovoltaik, Wind, E-Mobility). Die Kapazitäten der Projektierung, Tiefbau und Montage kommen an ihre Grenzen. Dies kann teilweise durch effektivere und entschlackte Prozesse kompensiert werden.

Mit freundlichen Grüßen
A. Horn

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