TA oder Wahrheit? AfD-Bashing der peinlichsten Art

Rechtsanwalt Sascha Schlösser über Holger Wetzel und seinen untauglichen Versuch einer Kritik an der AfD in der Thüringer Allgemeine.

Kennen Sie Holger Wetzel?

Ich auch nicht wirklich, jedenfalls war er nur einmal bei der Erfurter AfD-Fraktion, und das war vor der Wahl. Mit mir hat er jedenfalls seitdem nicht gesprochen. Hätte er das getan, wäre ihm diese Peinlichkeit vielleicht erspart geblieben. Nun zwingt er mich, mich mit einem Produkt seiner wenig gelungenen geistigen Schöpfung zu beschäftigen. Dabei gehöre ich doch zu den Stadträten, die neben ihrer Stadtratsarbeit noch ihre Brötchen in der freien Wirtschaft verdienen müssen und so gar keine freien Spitzen für solche Richtigstellungen haben. Herr Wetzel dagegen arbeitet für den hiesigen Presse-Monopolisten. Kommunalpolitik überfordert ihn augenscheinlich. Trotzdem oder wahrscheinlich sogar deswegen schreibt er darüber für die TA und die TLZ und wohl alles was so unter dem Pressemonopolisten Funke Mediengruppe in Thüringen an Tagespresse angeboten wird. Also praktisch alles.

Am liebsten ignoriert uns der Herr Wetzel und sein Presse-Monopolist, außer einer meiner Stadtratskollegen äußert sich unflätig, nachdem er bis aufs Messer gereizt wurde. Dann bekommen wir richtig Platz eingeräumt. Natürlich spricht man auch dann über uns und nicht mit uns. Die Presse ist in einem funktionierenden Rechtsstaat die sog. Vierte Gewalt. Sie soll also kurz gesagt diejenigen kontrollieren, die die Macht ausüben.

Dazu eine kurze, äußerst aufschlussreiche Anekdote dazwischen:

Der Herr Oberbürgermeister gibt eine Pressekonferenz!
Zu einem Zeitpunkt, als wir gerade unser Büro im Rathaus bezogen hatten und wirklich in jeder Hinsicht unbeleckt und naiv waren, was die internen Vorgänge im Rathaus angeht, erblickte ich in der Liste der angekündigten Termine, dass just in diesem Augenblick eine Pressekonferenz des Oberbürgermeisters stattfinden sollte.

Die Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen, schnappte mir unsere Mitarbeiterin der Geschäftsstelle Frau Grüning und flitzte los zur angekündigten Pressekonferenz im Raum 244. Der Raum war verschlossen weit und breit weder ein Oberbürgermeister noch Presse zu sehen. Also ab in das Büro von dem wir uns Aufklärung erhofften. Dort war tatsächlich der Pressesprecher der Stadtverwaltung mit irgendetwas beschäftigt, und als wir ihm andeuteten, dass wir gern an der im Augenblick doch stattfinden Pressekonferenz teilnehmen würden, erklärt uns dieser:

„Ach ja die Pressekonferenz – na ja da passiert eigentlich nicht viel. Da kommt dann einer von der Zeitung und spricht mit dem Oberbürgermeister darüber, was gerade so ansteht. Aber der kommt heute nicht.“ Wenn man also weiß, dass die künftigen Zeitungsartikel der Thüringer Allgemeine und der anderen Blätter der Funke Mediengruppe in Thüringen im wahrsten Sinne des Wortes „auf dem Schoße des Oberbürgermeisters“ geschrieben werden, dann weiß man wie es um die Pressefreiheit in Thüringen und damit in Erfurt bestellt ist. Wer hier Aufklärung durch das zentrale Presseorgan erwartet, der glaubte auch daran, dass in „Neues Deutschland“ und in „Das Volk“ immer schön die Wahrheit stand.

Diese peinliche Situation verkauft uns die Thüringer Allgemeine derzeit auch noch als große Errungenschaft der Wendezeit und feiert sich für 30 Jahre des Bestehens. Wohin der Unterschied zu den Zuständen vor 1989 liegen soll, erschließt sich hier nicht.

Aber zurück zu Herrn Wetzel:

Er gibt also unter der Überschrift „Die AfD und die Burger“ in der TA und der TLZ vom 28.01.20120 all sein Wissen über die Entstehung des Hamburgers preis: „Deutsche Auswanderer hackten einst in den USA rohe Rindersteaks klein. Sie würzten, kneteten und brieten das Fleisch und servierten es in den besten Restaurants als „Steak Hamburg“.

Das Gericht war so populär, dass es bald auch den Weg zu den Straßenständen fand. Nur essen ließen sich die Rinderbouletten im Stehen schwierig, bis jemand auf die Idee kam, die Boulette in ein Brötchen zu packen. Geboren war der Hamburger, der später liebevoll zu „Burger“ abgekürzt wurde.“ und damit endet auch seine Kompetenz, was unseren Antrag bzw. um genau zu sein, was meinen Antrag angeht.

Um ganz genau zu sein, nicht einmal das stimmt, denn was Herr Wetzel hier als feststehende Wahrheit über die Geschichte des Hamburgers zu Besten gibt, ist nur eine von zahllosen Varianten an Theorien über die Entstehung des Begriffes „Burger“.

Er schreibt in der TA und der TLZ vom 28.01.20120 wortgleich u.a.:
„Burger“ ist also ein amerikanisches Wort und entstammt nicht den 24 Amtssprachen der Europäischen Union. Geht es nach der AFD, darf es daher auch nicht an Erfurter Fassaden stehen. Denn ein Stadtratsantrag der Partei sieht vor, die Werbesatzung so zu ändern, dass Fassadenschriftzüge nur in diesen 24 Sprachen erlaubt sind. Zum Beispiel in Englisch, Irisch, Griechisch oder Deutsch, nicht aber in Indisch, Russisch, Japanisch oder Amerikanisch. Vom „Burger King“ bliebe an der Fassade nur „King“.

Eine interessante Interpretation meines Antrags und natürlich, sie ahnen es, völlig falsch. Das Wort „Burger“ ist anders als es Herr Wetzel weiß laut Oxford advanced Learner’s Dictionary längst ein Wort des British English und damit einer Amtssprache der europäischen Union.

Aber hey, das hätte schon etwas Recherche bedurft, und das braucht es in einem Presse-Monopol natürlich nicht. Da kann man ohne Konsequenzen drauflosschreiben.

Das Oxford Advanced Learner’s Dictionary vermerkt unter „burger”:
„noun [] (also hamburger, British English also beefburger) beef cut into small pieces and made into a flat round shape that is then fried, often served in a bread roll”

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Aber das ist ja noch nicht peinlich genug! Selbst im Duden konnte Herr Wetzel scheinbar nicht nachschlagen, denn sonst wüsste er, dass „Burger“ inzwischen sogar ein Wort der deutschen Umgangssprache ist.
Der Duden vermerkt unter „Burger“: „Burger […], der; -s, – (kurz für Hamburger)

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Weil er nicht mit uns spricht, weiß Herr Wetzel nicht viel von uns und auch sonst scheint er nicht so viel zu wissen, denn man hat beim Lesen des Artikels schon den Gedanken, dass hier jemand unbedingt sein ganzes Wissen loswerden will und dass sich dieses auf die Geschichte des Burgers
beschränkt. Anders ist der Artikel nicht zu erklären, denn mit der Realität hat er im Übrigen nichts zu tun.

Übrigens, richtige Journalisten, die sich über politische Anträge auslassen wollen, würden so einen unausgegorenen Unsinn nicht ohne Feedback der Antragsteller schreiben und hätten jedenfalls den Anstand, sich beim Antragsteller nach Intention und dem Regelungsgehalt zu informieren. Da Herr Wetzel diese anerkannten journalistischen Konventionen nicht einhält und nicht einzuhalten gedenkt, ist er für mich kein Journalist, sondern höchstens der „schreibende Wurmfortsatz des OB“.

Was beabsichtigen wir also mit unserem Antrag, der im Wortlaut wie folgt lautet und ausschließlich die Altstadt betrifft:

Werbesprache als Brücke zur Integration

Der Stadtrat beschließt die als Anlage 1 beigefügte Änderungssatzung zur Satzung der Stadt Erfurt über die Zulässigkeit und Gestaltung von Werbeanlagen in der Altstadt von Erfurt (Werbesatzung) vom 20. Juni 2010.
Der § 4 Allgemeine Anforderungen Ziffer 1.7 der Satzung der Stadt Erfurt über die Zulässigkeit und Gestaltung von Werbeanlagen in der Altstadt von Erfurt (Werbesatzung) wird wie folgt geändert (Änderungen sind unterstrichen):
„1.7. An der Fassade angebrachte Schriftzüge sind nur parallel zum Gebäude und waagerecht und nur in einer Amtssprache der Europäischen Union zulässig. Logobedingte oder historisch bedingte Ausnahmen sind zulässig.

Die Altstadt muss ihren historischen Charakter bewahren und dem Heimatempfinden der Erfurter Bürger entsprechen. Als Integrationshemmnis ist außerdem bekannt, dass Menschen aus anderen Nationen mit einer außereuropäischen Muttersprache, die sich hier legal aufhalten, besonders dann nicht integrieren können, wenn diese alle Dienstleistungen in eigener Muttersprache angeboten bekommen.“ Wenn Sie das so lesen und den Artikel von Herrn Wetzel danebenlegen, fühlen Sie sich dann eigentlich gut informiert?

Es war bezeichnenderweise eine Vertreterin der GRÜNEN, die uns, als die GRÜNEN uns die Gendersprache aufzwingen wollten, darauf hinwies, dass Sprache Macht sei. Und da habe ich ihr ausdrücklich und vorbehaltlos zugestimmt und habe deutlich gemacht, dass ich genau das nicht will, dass mir nämlich die Grünen Sozialisten ihre erfundene Sprache aufzwingen und meine mir von meiner Mutter überlieferte Sprache entstellen.
Sprache ist also Macht, da sind wir uns im Stadtrat unter allen Fraktionen wahrscheinlich einig.
Dieser Erkenntnis führt aber nicht zu den unserer Meinung nach erforderlichen Konsequenzen.
Es gilt hier gleich mehrere Blickpunkte im Auge zu behalten.

Wenn Sprache Macht ist, dann bedeutet der Umstand, dass mehr und mehr Straßenzüge in Bezug auf die Außenwerbung nicht in unserer Heimatsprache ausgestaltet sind, dass diese Straßenzüge erobert werden. Und genau dieses Gefühl entwickelt derzeit ein Großteil der Erfurter. Dem wollen wir Rechnung tragen, wohl wissend, wie aussichtslos dieser Antrag angesichts der politischen Kräfte im Rathaus ist. Die Erfurter sollen wissen, dass wir diese Entwicklung sehen und gegensteuern wollen.

Es sind inzwischen ganze Straßenzüge, die der Erfurter als solche nicht mehr wiedererkennt und von denen er den Eindruck haben muss, diese richten sich bei der Bewerbung ihrer Produkte und Dienstleistungen nicht mehr an ihn, sondern an Menschen, die hier noch nicht allzu lange leben. Die Altstadt ist der Kern unserer Stadt und sorgt wie kein anderer Stadtteil dafür, dass die Erfurter sich hier zu Hause fühlen. Heimat ist untrennbar mit der Heimatsprache verbunden.

Daneben bemüht sich Erfurt darum, Teile der Altstadt zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen zu lassen. Dies setzt voraus, dass die Altstadt den historischen Rahmen einhält, der dieses Erbe ausmachen soll. Dazu gehört ohne Zweifel die hier verwendete Sprache. Es ist außerdem ein grundkonservativer Ansatz, zu verlangen, dass sich Änderungen nur in einem Maße vollziehen, in dem der Großteil der Bevölkerung auch mitgehen will.

Auch technisch ist Herr Wetzel nicht auf der Höhe unseres Antrags. Schon vom Wortlaut ist erkennbar, dass die geplante Regelung Logos, also Unternehmenskennzeichen nicht erfassen soll und auch historisch bedingt Ausnahmen ohne weiteres zulässig sein sollen. Es wäre also weder „BurgerKing“ gefährdet noch sonstige Unternehmensbezeichnungen. Auch Erfurtsch wäre danach als Werbesprache auf Fassaden selbstverständlich zulässig, obgleich Erfurtsch (noch) nicht Amtssprache der EU ist.

Wie schon aus dem Antrag bzw. dessen Überschrift zu entnehmen ist, geht es allein um die Ansprache und die Bewerbung von Produkten und Dienstleistungen, und da kann mir niemand erklären, warum ein Goldhändler, ein Gemüsehändler, ein Friseur oder ein Imbiss in der Erfurter Altstadt Waren oder Dienstleistungen in Arabisch anpreisen müsste. Wir haben doch nur einen ganz geringen Ausländeranteil, oder nicht?

Es wäre wohl zu viel von Herrn Wetzel verlangt, zu verstehen, dass wir vor allem ein Problem mit einem „Fest“ zum Jahrestag des Kriegsendes anstelle eines würdigen „Gedenkens“ haben. Meine Güte! Wer erklärt ihm das?
Ihr Sascha Schlösser

PS: Kann eigentlich jemand dem Herrn Wetzel und seinem Presse-Monopolisten ein Oxford-Dictionary, einen Duden oder einen Recherche-PC zur Verfügung stellen?

Bitte denken Sie immer daran, dass wir keine Presse haben und teilen Sie daher unsere Artikel!

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